Der Flesch-Reading-Ease: Geißel des Texters oder hilfreiche Kennzahl?

Jeder, der sich mit der SEO-Optimierung von Texten auseinandersetzt, stolpert über ihn. Spätestens seitdem fast jede WordPress-Seite mit dem praktischen Ampel-System von Yoast SEO ausgestattet ist, ist er in aller Munde. Und er liegt unter dem Tisch bereit, um dem nichtsahnenden Texter hinterhältig in die Waden zu beißen. Doch ist er wirklich so böse, der Lesbarkeitsindex? Und vor allem: wie kann ich ihn besänftigen?

„Versuche, kürzere Sätze und Wörter zu verwenden.“, rät mir meine Yoast SEO-Ampel. „Noch kürzer?“, denke ich. Also gut – ich mache mich auf die Suche nach Satzschlangen, die sich durch meinen Text winden. Keine da. Ich prüfe jedes Wort auf seine Länge. „Sehenswürdigkeiten“ ist mit seinen sechs Silben ein langes Wort, das mir den Lesbarkeitsindex-Wert versaut. Doch es ist ein Keyword und bleibt. Was nun?

Flesh-Reading-Ease verbessern

Manchmal ist es als Mensch, der viel liest und schreibt, schwer nachzuvollziehen. Doch es stimmt: Sätze, die mehr als 15 Wörter haben, gelten als sehr schwer lesbar. Auch Worte, die länger als zwei Silben sind, gehen auf Kosten der Lesbarkeit des Textes. Anglizismen und Fremdwörter sowieso. Wer also für den durchschnittlichen, ungeduldigen, unkonzentrierten User schreibt, sollte sich einfach ausdrücken.

Der Flesch-Reading-Ease kann 0 oder 100 und alles dazwischen betragen. 0 gilt als sehr schwer lesbar, 100 ist leicht lesbar für Kinder. Die Yoast-Ampel schaltet ab einem Wert von 60 auf Grün. Das gilt als gut lesbar für 13-15-jährige. Und hier kommen wir auch schon zum Kern des Pudels!

Ein guter Texter muss sich manchmal entscheiden, bzw. einen gesunden Mittelweg finden: schreibt man für die Zielgruppe, oder schreibt man für die Suchmaschine? Natürlich beides. Denn wenn deine Zielgruppe deinen Text nicht online findet, liest sie ihn nicht. Doch die Zielgruppe „Ärzte und andere Wissenschaftler“ wird bei einem Text, der sich liest wie ein Kindermärchen, auch schnell das Interesse verlieren. Es kommt also immer auf das Ziel des Textes an: soll er in erster Linie User auf die Seite locken? Dann ist ein SEO-gerechter, schlichter Stil wichtig. Soll er einer gebildeten Zielgruppe Ratschläge geben? Dann darf es ruhig etwas anspruchsvoller sein.

Ich empfehle das Textanalysetool von Schreiblabor.com: http://www.schreiblabor.com/textanalyse/ .

Es zeigt dir nicht nur die Lesbarkeit deines Textes an, sondern auch unnötige Füllwörter, lange Sätze und Wörter und viele weitere, hilfreiche Dinge. Da dieses Tool direkt im Text hervorhebt, wo Verbesserungen nötig sind, macht das die Überarbeitung sehr einfach.

Lesbarkeitsindex: hilfreich, aber nicht zentral

Kommen wir nun also zur eingangs gestellten Frage: Geißel oder hilfreiche Kennzahl? Die Wortkünstlerin in mir brüllt: „Geißel“! Doch die gewiefte SEO-Texterin nickt nur wissend. Natürlich ist auch hier die Antwort wieder: beides. Der Lesbarkeitsindex kann sehr dabei helfen, den eigenen Schreibstil zu hinterfragen und zu verbessern. Dinge müssen nicht „innovativ“ sein, sie können auch ganz schlicht „neu“ sein. Texte müssen nicht „zielgruppenkonform“ sein, sondern dürfen einfach „treffend“ sein. Der Flesch-Reading-Ease ist ein übermotivierter Lehrer, der gute Anhaltspunkte liefert. Doch man muss es mit der Umsetzung seiner Ratschläge auch nicht übertreiben.

Viel wichtiger ist es, dem Leser Mehrwert zu bieten. Oder seinem künstlerischen Stil treu zu bleiben. Oder die Sprache der Zielgruppe zu treffen.

Dieser Text erreicht übrigens einen Lesbarkeitsindex-Wert von 54.

Tolle Artikel zum Thema Flesch-Reading-Ease gibt es auf diesen Seiten: https://www.denizpedia.com/website-blog-erstellen/content-marketing/flesch-reading-ease/

https://blogger-base.net/yoast-seo-lesbarkeit-verbessern-anleitung/

https://www.ionos.de/digitalguide/online-marketing/suchmaschinenmarketing/der-lesbarkeitsindex-ein-wichtiges-seo-kriterium-im-detail-erklaert/

Nützliche Qual: Der Flesch Reading Ease Test

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